»Suche nicht in den Gedichten / nach deinem Namen oder uns / Dichtung ist zwar Wahrheit / doch mein Leben keine Kunst« lässt uns Der dichte Fürst schon im Prolog seines zweiten Gedichtbandes Mir ist als seh ich deine Sehnsucht wissen und schlägt sogleich jenen unverwechselbaren Ton an, der uns auch in seinen anderen Werken begegnen wird: Liebe stellt diese Fragen nicht, Doch wenn zwei aufeinander warten und das jüngst erschienene Best Of Das Labyrinth in ihrer Brust.

In seinem Werk gelingt es dem dichten Fürsten mit seinen kraftvollen, selbstbewussten Versen, über etwas zu sprechen, das wir in einer dem bloßen Effizienzdenken und Konsum verschriebenen Gesellschaft vielleicht schon verloren geglaubt haben: das aufrichtige, erhabene Gefühl, zu lieben, sich sehnend nach einem Menschen verzehren zu können, darüber zu dichten. Er findet poetische Ausdrucksformen, die nicht nur an die große Tradition deutscher Dichtkunst anknüpfen, sondern ihn auch als ambitionierten Gegenentwurf zu der zu zweifelhaftem Ruhm gelangten Garde junger Autoren erscheinen lassen, die der Welt heutzutage nur noch mit farbloser Ironie und Hegemann’scher Frustration begegnen kann.

Der dichte Fürst hingegen vermag es, das Schöne und Poetische zu erkennen, im menschlichen Antlitz wie in der Natur, in Kunstwerken wie im alltäglichen Leben und Fühlen; seine lyrischen Kleinode sind Erinnerungen an die große Geste, an eine Romantik, die keine Kerzen benötigt, an einen Sturm und Drang, der das Leben hymnisch feiert. Und spricht nicht eine tiefe Wahrheit aus Gedichten, die weder das Wort »Liebe« noch den Endreim scheuen, anstatt sich im uneigentlichen Reden, im alltäglichen Geschwätz, in toter Metaphorik zu verlieren?

Dass das Leben keine Kunst ist, wissen wir also. Und dennoch suchen wir in den Gedichten des dichten Fürsten danach, finden darin vielleicht nicht unbedingt uns und unsere Namen, aber doch zumindest einen geistigen Überfluss, eine Poesie, die seine Sprache zur Kunst veredelt und uns zeigt, dass wohl nur im Künstler jenes Ideal weiterleben kann, das nicht am postindustriellen Zeitgeist zugrunde geht, dass allein die Dichter schon heute jene Priester sind, die der Jugend von Dingen predigen, die da heißen: Persönlichkeit, Anmut und Schönheit.

Text: Ole Hinz


Biografie

1984 geboren in Weimar auf dem Hofe einer linken Kommune als Sohn einer Bildhauerin. Vater unbekannt.
1999 Auffällige Ablehnung gegenüber der modernen Gesellschaft
2000 Naturjahr, Pantheistisches Pamphlet
2001 Italienreise, übermannt von der festen Überzeugung er sei ein direkter Nachfahre Goethes
2002 Ausbildung zum Landwirt
2003 – 2007 Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig – Ohne Abschluss
2009 Veröffentlichung Liebe stellt diese Fragen nicht
2010 Ozeanien-, Asienreise; Veröffentlichung von Mir ist als seh ich deine Sehnsucht
2011 Neue Versuchungen: Nachtleben in Hamburg, Berlin, Weimar, Istanbul, Riga, Münster; erstmals Auftritte als Der dichte Fürst auf Bartresen und Bühnen und orgiastischen Privatlesungen
2012 Veröffentlichung von Doch wenn Zwei aufeinander warten
2013 Veröffentlichung von Das Labyrinth in ihrer Brust (Auswahl 2009-2012)

Pressestimmen

Krisenzeit & Sonnenschein »Der dichte Fürst / Mir ist als seh ich deine Sehnsucht«